Moordorf

Auf der Suche nach dem Lebensretter

Aike Ruhr
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Von Aike Ruhr
| 25.07.2021 12:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Familie der siebenjährigen Liah-Mara, die schwer krank ist, hat eine Typisierungsaktion in Moordorf organisiert. Foto: Aike Ruhr
Die Familie der siebenjährigen Liah-Mara, die schwer krank ist, hat eine Typisierungsaktion in Moordorf organisiert. Foto: Aike Ruhr
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Die Familie der schwerkranken Liah-Mara aus Emden organisiert einen Typisierungstag in Moordorf. Noch bis 17 Uhr können Interessierte sich registrieren lassen und womöglich zum Lebensretter werden.

Moordorf - Wer ist der geeignete Spender, der das Leben der siebenjährigen Liah-Mara durch eine Stammzellenspende retten kann? Die Siebenjährige ist an einer Funktionsstörung des Immunsystems erkrankt. Hämophagozytische Lymphohistiozytose, kurz HLH, so heißt die Erkrankung in der Fachsprache. Vor neun Monaten wurde die Diagnose gestellt, als sich die Erstklässlerin immer schwächer und schlapper fühlte. Schmerzen im Kopf, den Gelenken und Bauchraum entwickelte und niemand wusste, was los ist. „Ihr Immunsystem wendet sich gegen den eigenen Körper“, so erläuterte es ihr Onkel Ralf Baumgardt, der am Sonntag auch bei der Typisierungsaktion zugegen war und sie mit initiiert hatte. Fresszellen, die eigentlich schadhafte Zellen bekämpfen, greifen stattdessen gesunde an – ein Teufelskreis. Behandelt wird Liah-Mara derzeit mit einer Chemotherapie: „Da weiß ja wohl jeder, was das bedeutet“, so Baumgardt. „Das hält kein Körper lange aus – insbesondere nicht so ein junger“, hieß es. Aber damit leider nicht genug: Vor drei Wochen musste Liah-Mara wegen einer Hirnblutung ins Krankenhaus. Ein weiterer Schlag für die Familie und die Siebenjährige. Ihr wurde ein Stück aus dem Schädel geschnitten, um den Druck abzubauen. Seitdem sitzt sie größtenteils im Rollstuhl, kann nicht mehr richtig laufen: „Aber es kommt alles so langsam wieder“, so Baumgardt. Ob womöglich Folgeschäden bleiben sollten, darüber habe bis dato aber kein Arzt eine Aussage zu treffen gewagt.

Aufgrund der Coronakrise kann nicht vor Ort eine Speichelprobe genommen werden – aber das Testkit wird Interessierten kostenfrei nach Hause geliefert. Foto: Aike Ruhr
Aufgrund der Coronakrise kann nicht vor Ort eine Speichelprobe genommen werden – aber das Testkit wird Interessierten kostenfrei nach Hause geliefert. Foto: Aike Ruhr

Da bisher kein geeigneter Stammzellenspender gefunden werden konnte, hat die Familie einen Spendentag organisiert. Auf dem Gelände von Müllers Hobbymarkt hatten sie Pavillons aufgebaut, eine Kuchentheke eingerichtet und Grills aufgestellt. Unterstützt wurden sie dabei vom Inhaber des Hobbymarktes, der sofort bereit war, zu helfen, als er vom Schicksal der Siebenjährigen erfuhr. Zudem kamen „unglaublich viele Sachspenden“ zusammen, wie Cornelius sagte. Und auch die Feuerwehren aus Südbrookmerland halfen mit. Tatkräftig unterstützten die Kameraden der Feuerwehr Wiegboldsbur vor Ort und bauten Tische und Pavillons auf.

Zäher Start mit wenigen Interessenten

Eigentlich erwarteten die Organisatoren die ersten möglichen Spender gegen 11 Uhr, doch der Start war zäh. Innerhalb der ersten Stunde kam lediglich ein Mann, der vor Ort das sogenannte Testkit anforderte. Denn aufgrund der Coronakrise konnten nicht direkt vor Ort Proben genommen und eingeschickt werden. Dies müssen die möglichen Spender dann zuhause erledigen und die Teststäbchen einschicken. Die Hoffnung darauf, einen geeigneten Spender zu finden, bewegt die Familie dazu, „tapfer zu sein“, wie der Liah-Maras Bruder Nico Boes sagte. Auch Adrian Boes, ihr anderer Bruder, war vor Ort und berichtete davon, wie schwer es der ganzen Familie falle, mit der Situation umzugehen.

Parallel zu der Typisierungsaktion in Moordorf hat auch die Deutsche Knochenmarkspenderdatei aufgerufen, sich für Liah-Mara und viele andere typisieren zu lassen. Über die Seite von Liah-Mara haben sich mittlerweile knapp 900 Leute registriert. Doch bisher war niemand dabei, der als Spender für die Emderin infrage kommt, wie die Familie erläuterte.

In der nächsten Woche sollen die Ergebnisse der Typisierung der Geschwister von Liah-Mara vorliegen. Diesbezüglich schöpft die Familie große Hoffnung, denn aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehung sei die Wahrscheinlichkeit höher, als Spender infrage zu kommen.

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